Krause, Bodo / Krause, Werner (Hrsg.)

Psychologie im Kontext der Naturwissenschaften. Beiträge zur menschlichen Informationsverarbeitung. Festschrift für Friedhart Klix zum 75. Geburtstag

[= Abhandlungen der Leibniz-Sozietät, Bd. 12], trafo verlag 2004, 216 S., ISBN 3-89626-438-9, 26,80 EUR

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Vorwort

Die Leibniz-Sozietät ehrte ihr langjähriges Ordentliches Mitglied Friedhart Klix anlässlich seines 75. Geburtstages mit einem Ehrenkolloquium am 1. November 2002 im Lessingsaal der Staatsbibliothek zu Berlin. Im Auftrag des Präsidenten der Leibniz-Sozietät, Herbert Hörz, legen wir hier die Festschrift mit den einzelnen Beiträgen dazu vor. Dies ist unser Dank an den Jubilar für viele Jahre des Lernens, gemeinsamen Forschens und Diskutierens.

Die Verarbeitung von Information durch den Menschen ist der Gegenstand dieses Buches. Sie eröffnete in den letzten Jahrzehnten eine Vielzahl von Erklärungsansätzen für menschliche Gedächtnisleistungen und für psychische Verhaltensformen, für die Friedhart Klix mit seinem Buch „Information und Verhalten“ einen deutlichen Markstein und Forschungshorizont gesetzt hat. Verschieden sind seither die Sichtweisen auf den Prozess der Informationsverarbeitung, gemeinsam ist ihnen die Forderung nach Reproduzierbarkeit der Ergebnisse bis hin zum hohen Anspruch an die Begründung einer Theorie der menschlichen Informationsverarbeitung.

 

Menschliche Informationsverarbeitung zu verstehen bedeutet, ihre Herausbildung und ihre Bedeutung für die menschliche Entwicklung allgemein, insbesondere die Entwicklung von Sprache und Intelligenz, evolutionär zu begründen.

 

Die aktualgenetische Forschung deckt die Besonderheiten menschlicher Informationsverarbeitung auf, so die Herausbildung von Abstraktionen und Bezugssystemen. Wir finden ausgezeichnete subjektive Räume, ausgezeichnete Zeiten, ausgezeichnete Strukturen, ausgezeichnete Sequenzen, die menschliches Erleben und Verhalten bestimmen. Es verdichtet sich die Vermutung, dass die Anforderungsinvarianz solcher Auszeichnungen auch ihren Ursprung in der Evolution hat.

 

Es ist heute weder entscheidbar, dass und wie eine mentale Strukturbildung (z.B. als Grammatik) zu beschreiben ist, noch dass und wie mentale Bezugssysteme und deren Adaptivität aussehen müssen, aber der Weg für die Herausbildung einer Theoretischen Psychologie ist abgesteckt.

 

Das Ehrenkolloquium stand unter den Rahmenthema "Psychologie im Kontext der Naturwissenschaft". Die Laudationes wurden vom Präsidenten der Leibniz-Sozietät Herbert Hörz und vom Vizepräsidenten der Leopoldina Paul B. Baltes gehalten. Die Fachbeiträge nehmen Bezug zu dem Rahmenthema, problematisieren den Erkenntnisprozess oder liefern neue Beiträge zur Untermauerung. Friedhart Klix begründet in seinem Beitrag „Information in Evolution und Geschichte“ die Herausbildung von Intelligenz und Sprache aus der Evolution und skizziert zugleich neue zukünftige Gebiete interdisziplinären psychologischen Denkens und Forschens. Theo Hermann zeigt in seinem Beitrag „“Evolutionspsychologie der Sprache: eine methodische Überlegung“ die Notwendigkeit evolutionärer Betrachtungen bei der Analyse sprachbezogener mentaler Repräsentationen. Lothar Sprung zeichnet mit seinem Beitrag “Merkmale und Phasen der Wissenschaftsentwicklung im 19. und 20. Jahrhundert – dargestellt am Beispiel der Geschichte der Psychologie“ Strategien der Wissenschaftsgeschichtsschreibung und untersetzt dies am Beispiel der Geschichte der Psychologie. Klaus Foppa stellt mit seinem Beitrag "Um welche Art von Wissenschaft handelt es sich eigentlich bei der (empirischen) Psychologie?" kritische Fragen und betonte, dass eine gebotene Strenge nicht zu einer Vernachlässigung der Phänomenologie führen darf. Bodo Krause arbeitet mit seinem Beitrag "Schwierigkeit beim logischen Denken" die Diskrepanz zwischen dem menschlichen Denken und Modellen der formalen Logik heraus. Er  zeigt damit, wie die Bezugsetzung zu theoretischen Modellannahmen zur Aufklärung des menschlichen Denkprozesses beitragen kann. Peter Petzold schildert in seinem Text „Lokale und globale Bezugssysteme in kategorialen Urteilen“, dass und wie Urteilsprozesse durch Referenzsysteme beeinflusst werden. Hans-Georg Geißler berichtet in seinem Beitrag "Aufgabenabhängigkeit und Aufgabeninvarianz am Beispiel des Zeitbezuges" über neuere Befunde zu der von ihm aufgestellten Zeitquantenhypothese. Er macht deutlich, dass es gute Gründe gibt, von einer Quantelung im menschlichen Informationsverarbeitungsprozess zu sprechen. Uta Lass, Gerd Lüer, Son Yan, Dietrich Becker, Yunqin Fang und Guopeng Chen behandeln in ihrem Beitrag „Sprachbedingte Varianz von Gedächtnisleistungen – Evidenz für eine Neuinterpretation der Whorfschen Hypothese“ ein Invarianzproblem in der Psychologie. Hans-Jürgen Lander und Matthies Hut legen in ihrem Text „Eine strukturdimensionale Analyse von Wissenssystemen im menschlichen Langzeitgedächtnis“ eine außerordentlich differenzierte Methode zur Messung von Begriffsstrukturen und deren trainingsabhängige Veränderung vor. Der differentielle Aspekt bei der menschlichen Informationsverarbeitung wird von Jürgen Guthke, J. F. Beckmann und B. Seinald, in ihrem Text „Sind Arbeitsgedächtnis und schlussfolgerndes Denken identisch?“ behandelt und die Autoren zeigen, dass nicht die Instanz sondern die Art der Anforderungsbewältigung die Differenzierung zwischen den Stichproben ausmacht. Die Wechselwirkung von Grundlagen- und angewandter Forschung ist Mittelpunkt des Beitrages von Winfried Hacker, Constanze Winkelmann und Annekatrin Wetzstein „Reflexion zu Ergebnissen des Problemlösens – Grundlagen und Wirkungen beim entwerfenden Denken (design problem solving)“. Der Simulationsaspekt und damit eine bestimmte Form des Existenzbeweises in der Psychologie steht im Text von Dietrich Dörner „Das Markierungs-Problem oder wie können begriffliche Relationen subsymbolisch realisiert werden?“ im Vordergrund. Dazu wurde eine Neuronenstruktur entworfen, die eine Modellierung subsymbolischer Informationsverarbeitung ermöglicht. Die vom Jubilar erarbeiteten neuen Erkenntnisse zum menschlichen Gedächtnis erfahren einen weiteren Beleg durch die Modellierung. Werner Krause und Gundula Seidel zeigen in ihrem Beitrag „Biologische Grundlagen des Verstandes“, dass die vom Jubilar vorgelegten Theorien des menschlichen Verstandes auch ihre biologische Entsprechung haben und legen mit dem Entropiemaß eine neue Methode zur Messung geistiger Leistungen vor.

 

Dieser Band ist ein Stück unterwegs auf den Weg zu einer Theoretischen Psychologie. Der Jubilar hat nicht nur die Quellpunkte gesetzt und den Weg maßgeblich bestimmt sondern zeigt zugleich auch noch zukünftige Forschungslinien auf. Die einzelnen Beiträge sind Bausteine auf diesem Weg. Sie sind unser Dank an Friedhart Klix.

 

Im Auftrag und im Namen der Autoren

Bodo Krause

Werner Krause

 

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

Vorwort

 

Herbert Hörz

Kognitive Psychologie im interdisziplinären Kontext - Laudatio für Friedhart Klix 

 

Paus Baltes

Laudatio für Friedhart Klix

 

Friedhart Klix

Information in Evolution und Geschichte

 

Theo Herrmann

Evolutionspsychologie der Sprache: eine methodologische Überlegung

 

Lothar Sprung

Merkmale und Phasen der Wissenschaftsentwicklung im 19. und 20. Jahrhundert – dargestellt am Beispiel der Geschichte der Psychologie

 

Klaus Foppa

Um welche Art von Wissenschaft handelt es sich eigentlich bei der (empirischen) Psychologie?

 

Bodo Krause

Schwierigkeit beim logischen Denken

 

Peter Petzold

Lokale und globale Bezugssysteme in kategorialen Urteilen

 

Hans-Georg Geißler

Aufgabenabhängigkeit und Aufgabeninvarianz am Beispiel des Zeitbezugs

 

Uta Lass, Gerd Lüer, Song Yan, Dietrich Becker, Yunqiu Fang und Guopeng Chen

Sprachbedingte Varianz von Gedächtnisleistungen – Evidenz für eine Neuinterpretation der Whorfschen Hypothese

 

Hans-J. Lander und  Matthias Hut

Eine strukturdimensionale Analyse von Wissenssystemen im menschlichen Langzeitgedächtnis

 

Jürgen Guthke, J. F. Beckmann, und B. Seiwald

Sind Arbeitsgedächtnis und schlussfolgerndes Denken identisch?

 

Winfried Hacker; Constanze Winkelmann und Annekatrin Wetzstein

Reflexion zu Ergebnissen des Problemlösens – Grundlagen und Wirkungen beim entwerfenden Denken (design problem solving)

 

Dietrich Dörner

Das Markierungs-Problem oder wie können begriffliche Relationen subsymbolisch realisiert werden?

 

Werner Krause und Gundula Seidel

Biologische Grundlagen des Verstandes. Höhere Ordnung – kürzere Zeiten: allgemeinpsychologische und differentielle Untersuchungen zur Entropiereduktion