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Scholz, Hannelore (Hrsg.)

Rügen. Das sagenumwobene Land im Meer.     

Ein Reisebegleiter von Altefähr nach Kap Arkona

[= Rügen, das sagenumwobene Land im Meer, Bd. 1], trafo verlag 2005, 176 S., ISBN 3-89626-433-8, 14,80 EUR

 

Zum Band 2

     
Die nummerierten Sehenswürdigkeiten entsprechen der Zählung im Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Vorwort 7

VON ALTEFÄHR NACH KAP ARKONA

1. Der Riese von Rügen 15

2. Die neun Berge bei Rambin 23

3. Der listige Bauer 85

4. Der Spuk bei Rothenkirchen 94

5. Das schneeweiße Hühnchen 97

6. Der Schäfer von Patzig 107

7. Der Opferstein bei Quoltitz 121

8. Der Dubberworth 122

9. Der Teufelsbünder 125

10. Das Steinbild in der Kirche zu Altenkirchen 129

11. Der Strandräuber 130

12. Trine Piper und Kater Martin 139

13. Der Bericht des Saxo Grammaticus 147

14. Die Bullerhürn 164

15. Kleine Geister am Wieker Bodden 167

Zeittafel 173

Vorwort

»Vernimmst Du den Namen Rügen,
so befällt Dich ein holder Zauber.Vor Deinen Augen
steigt es empor wie ein Traum ferner himmlischer Feenreiche.
Bilder und Gestalten aus uralter Zeit winken dir zu aus
verwunschener Landschaft,wo sie in grauen Vorzeiten
lebten und die Schatten ihrer Gegenwart hinterließen.
Und in Dir regt sich ein mächtiges Sehnen,
über diese herrliche sagenumwobene Insel zu wandern «.

Auf dieser romantischen Wanderung könnten die beiden Bände Ihre Begleiter sein.An konkreten Orten, Plätzen und Landschaften erfahren Sie aus mündlichen Überlieferungen,die im Laufe der Jahrhunderte zu Sagen, Märchen und Legenden wurden,mehr über den Mythos dieses Eilandes in der Ostsee.
Es sind gewissermaßen Wanderwege,die Sie sich mit dem Fahrrad,dem Auto oder auch zu Fuß erschließen können.Ob Sie von Stralsund aus über den Rügendamm die Insel erreichen,oder mit der Fähre in Glewitz anlanden, es bietet sich Ihnen ein herrliches Inselpanorama.

Im Band 1 sind die literarischen Zeugnisse entlang der Route von Altefähr nach Kap Arkona angesiedelt, der Band 2 begleitet sie von Altefähr nach Thiessow und von Schaprode nach Sassnitz (Stubbenkammer).

Die viel besungene und viel gerühmte Insel in der Ostsee wird,wo immer sie beschrieben wurde,mit Superlativen bedacht. Sie ist die größte Insel Deutschlands und nach dem Maler Preller dem Älteren ist sie »das malerisch reichste Land Europas «,denn »reicher habe ich nie ein Land gesehen, selbst Italien nicht ...«

Nicht nur Maler auch Dichter, Musiker, Theologen, Historiker und Gelehrte waren von der einzigartigen Landschaft Rügens fasziniert.Die Romantiker des 19.Jahrhunderts begründeten den Mythos dieser Insel, der bis in die Gegenwart wirksam ist. Sie entdeckten den Reiz der Landschaft und die Spuren sagenumwobener slawischer und heidnischer Vergangenheit.

Caspar David Friedrich schuf mit seinen stimmungsvollen Rügenbildern eine bis heute andauernde Bewunderung. Auf seinen Spuren haben seitdem viele Besucher die Insel durchstreift. Carl Gustav Carus z.B.kam 1819 nach Rügen.Er war überwältigt von den weißen Kreideküsten und Jasmund und verglich diese mit einer Beethovenschen Sinfonie:

»In tiefer Dunkelheit ging ich noch hinaus, um bei dem fast phosphorähnlichen Leuchten der Kreidewände,dem Brausen der See in der Tiefe zu horchen, sowie früh ich der erste war,der die Morgensonne auf diesen weißen Klippen und dann unten am Strande begrüßte...Ich wollte Studien zeichnen,aber kaum hatte ich ein paar Striche gemacht,als ich die Mappe weit wegschleuderte in der Überzeugung,hier sei jeder Strich nur eine Lästerung dieses überschwenglichen Phänomens,und dann nur in höchster Bewegung dem wunderbaren Kampf des Elements zustarrte.«

 

Nach 1820 wurde diese "Urnatur" (Carus),ein belieb tes Ausflugsziel-immer wieder auch besonders von Malern.Wenn sie heute als "Malerinsel" bezeichnet wird, hat das seine Ursachen.Ca.350 Künstler ließen sich vom Reiz der Insellandschaft inspirieren und entdeckten hier ihre "Malgründe" Es sind die reizvollen Gegensätze dieses Eilandes, die immer wieder wie ein "zauberhafter Bann" die Bewunderer anzog. Wir finden unendlich weite weiße Strände, idyllische einsame Buchten,schroffe Steilküsten,sanfte Hügellandschaften, stille,verträumte Buchenwälder und gigantische weiße Kreidefelsen.

»O Land der dunklen Haine,O Glanz der blauen See,
O Eiland,das ich meine,
Wie tut ’s nach dir mir weh –«

dichtete voller Sehnsucht wohl Rügens berühmtester Sohn – Ernst Moritz Arndt – als er fern von seiner Heimat am Rhein lebte. Doch nicht nur die Besonderheiten von Landschaft und Naturdenkmale locken immer wieder die Besucher an.Es sind auch die Rüganer und Rüganerinnen mit ihrer sprichwörtlich kargen aber herzlichen Gastlichkeit, die geprägt durch das Meer und die Insellage ihren plattdeutschen Dialekt und eine spezifische Lebensart erhalten konnten.

Die Kultur Rügens ist sehr alt und wird in Sagen und Legenden immer wieder lebendig.Es finden sich aber auch viele noch erhaltene Spuren dieser grauen Vorzeit: Grabstätten wie der Riesenberg von Noddin auf Wittow, die Gräber bei Dwasieden im Pastitzer Forst,bei Altkamp, um Vilmnitz und Lancken-Granitz,die Ziegensteine bei Groß-Stresow und das Reddevitzer Herzoggrab – um nur einige zu nennen.

Ein bis zwei Jahrtausende jünger sind die zahlreichen Hügelgräber,ein ganz charakteristischer Schmuck der Landschaft.An einigen Orten bei Woorke, Buschvitz und Garftitz liegen viele dicht beieinander.Die größten finden wir bei Sagard, Gnies und Warksow. Eine Vielzahl oft prächtiger Funde verrät eine Besiedelung durch germanische Volksstämme,sie verließen während der Völkerwanderung die Insel.

Gegen Ende des 6. Jahrhunderts siedelten sich die Ranen an. Sie gehörten zu den Slawen.Die ältesten Chroniken künden von ihren  Bräuchen und ihrer Götterverehrung.Diese Besiedelung dokumentiert sich bis heute auf beeindruckende Weise: etwa dreißig Burganlagen,von denen Arkona,Garz, Bergen und Stubbenkammer die bedeutendsten sind.

Viele Ortsnamen auf Rügen zeugen von der Besiedelung dieses kampferprobten Seefahrervolkes. Damals war die Küste Rügens weit bekannt.Arkona war der Sitz des Swantevitkultes und aus diesem Grunde Wallfahrtsort für die Ostslawen.Sie betrieben aber auch regen Handel, selbst arabische Händler reisten auf die Insel, um ihre wirtschaftlichen Beziehungen zu erweitern.

In der Mitte des 12.Jahrhunderts im Rahmen der Christianisierung kam es zu wiederholten Kreuzzügen der Dänen. Die vier größten Kirchen der Insel zeugen noch von diesen Ereignissen:hoch auf Bergen errichtet und von allen sichtbar St. Marien in Bergen (ein kunstgeschichtlich bedeutsamer Bau)und die Kirchen in Schaprode, Sagard und Altenkirchen.

Ende des 12.Jahrhunderts riefen die Rügenfürsten immer mehr deutsche Kolonisten ins Land.Es wurde eine erste Inselstadt errichtet:das spurlos verschollene Rugendal. Ab 1319 liegen erste Urkunden über die Nachbarstadt Garz am Fuß der alten Fürstenburg Charenza vor, in der ein Wizlaw schon längere Zeit das Gründungspergament für seine Handelsmetropole Stralsund angefertigt hatte.

Vom 16.–19.Jahrhundert ist die Geschichte der Insel von Durchzügen brandschatzender Heere, Hungersnot und Besatzerelend gekennzeichnet.Rügen gehörte bis zum Jahre 1815 zu Schweden und danach zu Preußen. Die traditionsreichen Stätten und kulturhistorisch bedeutenden Landschaften haben im Wandel der Zeiten ihren mythischen Charakter bewahrt. Auch die neuen aktuellen Herausforderungen haben ihre Spuren längst hinterlassen,nicht immer wurden dabei die majestätische Erhabenheit und die wilde Urwüchsigkeit der Inselnatur erhalten.

Die bedeutende Ikonographie Rügens,mit ihren Aussichten auf das Meer,den Inselpanoramen vom Rugard aus oder über das Mönchgut und auch die vielen Hügelgräber wie die hohen,dunklen Buchenhaine sind Anziehungspunkte für Natur-und Kulturliebhaber gleichermaßen. Die Poetisierung der Landschaften in Text,Musik und Bild und die Mythisierung der Insel in Sagen und Legenden trugen neben den Badekuren und Erholungsmöglichkeiten wesentlich zur Popularisierung der Insel bei.

Die beiden nun vorliegenden Rügen-Bände sind als Reisebegleiter konzipiert.In den Texten finden die Lesenden das legendäre Bild einer Insel in beeindruckender Weise geschildert.Durch den Blick in die versunkene uralte Geschichte wird es möglich,Vergangenes und Gegenwärtiges zu verbinden zum Verständnis und Genuß der Einmaligkeit dieser Ostseeinsel.

Hannelore Scholz

20.Mai 2005