Eike Stiller

Der Segelsport der Arbeiterbewegung – 
Zur Geschichte des 'Freien Segler-Verbandes' (FSB) 1901–1933

trafo verlag 2002, 271 S., 18 Tab., 60 hist. Abb., ISBN (10) 3-89626-406-0, ISBN 978-3-89626-406-0, 49,80 EUR

Zum Inhalt

Es mag heute überraschen, dass der gemeinhin eher als elitär angesehene Segelsport bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts Einzug in die Freizeitgewohnheiten von Arbeitern/-innen genommen hat. Und in der Tat, eine Massensporterscheinung ist das Segeln von Arbeitern/-innen weder in der Kaiserzeit noch in der Weimarer Republik geworden. Im Gegensatz zu den in den 20er Jahren im Arbeiter-Turn- und Sportbund (ATSB) zahlenmäßig weitaus stärker organisierten Kanu- und Faltbootsport blieb die Arbeiterseglerbewegung selbst in der Dachorganisation der deutschen Arbeitersportbewegung, der Zentralkommission für Arbeitersport und Körperpflege nicht mehr als eine innerverbandliche Randerscheinung. Wahrscheinlich liegt auch darin der Umstand begründet, dass sich bis heute die sportgeschichtliche Forschung mit diesem eigenständigen Arbeitersportverband kaum auseinandergesetzt hat.
Interessanterweise konnte der Freie Segler-Verband (FSV)2, der organisatorische Zusammenschluss der Arbeitersegler mit Sitz in Berlin-Grünau, bereits im Jahre 1931 sein 30-jähriges Bestehen feiern. Zu diesem Zeitpunkt verfügte der Verband über 42 Mitgliedsvereine mit 2.683 Mitgliedern und 1.465 Booten. Der FSV stellte damit knapp 0,2% der Zentralkommissions-Mitglieder.
Die Geschichte des FSV blieb über viele Jahrzehnte in der Seglerszene nahezu unberücksichtigt. Selbst in der Jubiläumsschrift des Deutschen Segler-Verbandes (DSV), die im Jahr 1988 unter dem Titel "Hundert Jahre Deutscher Segelsport" erschienen ist, erhält das Arbeitersegeln nur den Status einer Fußnote in der Segelsportgeschichte. Die wenigen Ausführungen zum FSV sind zudem fehlerhaft recherchiert und in ihren Wertungen problematisch.
In der sporthistorischen Literatur finden sich nur vereinzelte Hinweise auf den FSV. Langenfeld kommt in seiner Untersuchung zur Geschichte des Wassersport in Niedersachsen in der Weimarer Zeit zu der irrigen Einschätzung, der FSV sei ein kommunistisch orientierter Segelverband gewesen. Kaczmarczyk hat 1986 als erster den Versuch unternommen, auf breiterer Quellenbasis die Geschichte des Arbeitersegelns zu analysieren. Auch wenn seine Arbeit zum Teil noch von dem marxistischen Erkenntnisinteresse der ehemaligen DDR-Forschung geprägt ist, so öffnete er doch den Blick auf dieses sportgeschichtliche Desiderat.
Die vorliegende Arbeit gliedert sich im Wesentlichen in drei Hauptteile. Nach einer knappen Übersichtsdarstellung über die Organisationsgeschichte des deutschen Segelsports (Kap. 1) schließt sich das erste Hauptkapitel (Kap. 2–10) mit Detailbetrachtungen zu verschiedenen Aspekten der Arbeitersegelbewegung in der Weimarer Zeit an.
Das zweite Hauptkapitel untersucht die Segelsportstrukturen in der NS-Zeit, hier vor allem den Gleichschaltungsprozess der FSV-Vereine (Kap. 10–13). An den knappen Abriss über die Entwicklung des Segelsports bis 1950 fügt sich der dritte Hauptteil der Arbeit an: der statistische Teil über die im FSV organisierten Vereine. Dieser Statistikteil reflektiert den Erkenntnisstand vom Juli 2002. Ich möchte alle interessierten Leserinnen und Leser dieses Buches bitten, mir weitergehende Informationen oder Richtigstellungen zu den Vereinsangaben mitzuteilen. Ebenso bin ich interessiert am Erwerb von Vereinsfestschriften oder Veröffentlichungen aus der Arbeitersegelbewegung.

Inhaltsverzeichnis

Einleitung 9

1. Die Entwicklung der Organisationsstrukturen im deutschen Segelsport im 19. und 20. Jahrhundert: Ein Kurzüberblick 11

    Die Anfänge des Arbeitersegels in Berlin 11 

    Zur Gründung des Berliner Wettsegel Verbandes 12

    Die Entwicklung der Organisationsstrukturen im deutschen Segelsport im 19. und 20. Jahrhundert: Ein Kurzüberblick 15 

        Der Deutsche Segler Verband (DSV) 15

        Der Deutsche Segler Bund (DSB) 16

        Berliner Kleinsegler-Verband 21

 

2. Der Freie Segler Verband (FSV) 22

    Auf dem Weg zum Freien Segler-Verband (FSV) 22

    Die Verbandsstrukturen des Freien Segler-Verbandes 22

    Die Entwicklung der Verbands- und Vereinssatzungen im Arbeitersegelsport 28

    Der Vereinsalltag im FSV 32 

        Der Eigenbau von Segelbooten 36

        Die verschiedenen Bootsarten in der Arbeitersegelbewegung 38

        Aufbauarbeiten und die Arbeitsdienst 41

        Die Verbandsfeste und Vereinsfeiern 44

        Frauen als Vereinsmitglieder? 48

        Die Jugendarbeit 52

 

3. Die Ausweitung des FSV auf andere Segelgebiete außerhalb Berlins 56

    Der Arbeitersegelsport in Bremen und auf der Weser 56

    Arbeitersegeln im Kreis Osten 57

 

4. Die sportlichen Leistungen der Arbeitersegler 59

    Das Regattasegeln 59

    Das Fahrtensegeln im FSV 64

    Langstreckenfahrten 68

    Urlaubsreisen auf See 69

 

5. Die Preis- und Meisterschaftsfrage – oder die Suche nach einem sportpolitischen Selbstverständnis im FSV 70    

    Die Preissegelfrage 70

    Deutsche Meisterschaften 77

    Ursachen der Konflikte um das Preissegeln im FSV 81

 

6. Die Konkurrenz im eigenen Lager: Das Verhältnis des FSV zu den anderen deutschen Arbeiter(wasser-)sportverbänden 84

    Der FSV und die Wassersportsparte im ATSB 84 

    Der Deutsche Wassersport-Verband (DWV) 88

    Der FSV und die Zentralkommission für Arbeitersport und Körperpflege 90

 

7. Die Stellung des FSV in der organisierten deutschen Wassersportbewegung 92

    Wassersportbeirat 92

    Wasserwacht 92

    Arbeitsgemeinschaft der Wassersportverbände Deutschlands 93

    Rettungsgesellschaft der Wassersportvereine von Berlin und Umgebung 97

    Schutzverband der Wassergrundstücksbesitzer 97

 

8. Die politischen Auseinandersetzungen um Wasserrechtsfragen im FSV 98

 

9. Die politischen Konflikte im FSV im Zuge der Spaltungen in der Arbeitersportbewegung in den Jahren 1928–1933 102

 

10. Der Segelsport in der kommunistischen Rot-Sport-Bewegung 112

 

11. Die Gleichschaltung eines Arbeitersportverbandes 1933 115

    Die Auflösungsprozesse in der Zentralkommission für Arbeitersport und Körperpflege 116

    Der Freie Segler-Verband im Frühjahr 1933 120

    Die Gleichschaltung der Arbeiterseglervereine 126

 

12. Der Aufbau des nationalsozialistischen Segelsport 129

    Zur Gründung des neuen Deutschen Segler Verbandes 129

    Gleichschaltungsprozesse auf Vereinsebene 132

    Der Sonderweg: Der lange Weg der Gleichschaltung des SC Hansa Lübeck 1933–1938 139

    Die "Nationalsozialistische Wassersportvereinigung Berlin" 141

 

13. Vereinsalltag ehemaliger FSV-Vereine im Nationalsozialismus 144

    Der Segelsport im Krieg am Beispiel des SC Hansa Lübeck 144

    Das Dietwesen 146

    Regattaerfolge ehemaliger FSV-Vereine und FSV-Mitglieder in der NS-Zeit 147

    Arbeitersegler im Widerstand gegen den Nationalsozialismus 149

 

14. Schlaglichter auf den Neuaufbau des Segelsports nach 1945 156

    Sowjetische Zone 156

    Berlin Ost 157

    Berlin-West 158

    Britische Zone 158

    Schleswig-Holstein 159

    Hamburg 160

 

Schlusswort 162

 

Anhang 173

    Tabellenanhang 174

    Bildteil 239

    Abkürzungsverzeichnis 255

    Literatur 257

    Über den Autor 265

 

 

Zu nachfolgenden Vereinen finden sich im Statistikteil der Arbeit ausführliche Vereinsinformationen Seite 173-238:

Bille Wassersportverein

Dresdner Segelverein 1931

Freie Segler Brandenburg

Freie Segler Jörsfelde

Freie Segler Müggelsee

Freie Vereinigung der Tourensegler von Grünau

Freien Segler Kiel

Freien Segler Krüpelsee

Freien Segler RathenoW

Freien Segler Süderelbe

Freien Segler Tegelort

Freien Segler Wannsee

Freien Wassersport Bremen

Freier Segler Reiherstieg

Freier Segler-Verein „Undine“ Königsberg

Freier Wassersport Hemelingen

Freier WSV Elbe von 1931

Heiligenseer Segel-Club

Segel Club „Neue Schleuse“ Rathenow

Segel Club 1898 Stralau

Segel Club 1919 Stralau

Segel Club Aeolus (Neptunshain)

Segel Club Aeolus Danzig

Segel Club Fraternitas

Segel Club Hansa Lübeck

Segel Club Luv Elbing

Segel Club Nord-West Brandenburg

Segel Club Weinmeisterhorn

Segel Club Wendenschloß 1903

Segel Club Wiking-Friedrichshagen

Segel-Club Freia

Segel-Club Hansa Berlin-Oberschönweide

Segel-Club Havel Rathenow

Segel-Club Wiking-Tegel

Segel-und Motorbootabteilung des Wassersportvereins Rathenow

Segelverein Rahnsdorf

Segelverein Stößensee 1909

Segelverein Wakenitz Lübeck

Seglervereinigung Niederschöneweide

Tourensegler Zeuthen

Verein Berliner Jollensegler

Verein Spandauer Jollensegler

Wassersport Pichelswerder

Wassersportabteilung der Freien Turn-und Sport-Vereinigung Nowawes 1894

Wassersportclub „Frei“ Stettin

Wassersportclub Grünau

 Wassersportclub Saatwinkel/Freien Segler Saatwinkel

Wassersportclub Sturmvogel Magdeburg

Wassersportverein 1921 Schmöckwitz

Wassersportverein Crossinsee

Wassersportverein Mark Brandenburg

Wassersportverein Nordstern Spandau

Wassersportverein Verden

Wassersportverein Waldkater Tegel

Wassersportverein Welle 1928

Wassersportverein Ziegenhals

Wassersportvereinigung „Nautilus“ Hamburg

Wassersportvereinigung 1929-Segelgruppe Berlin-Schmöckwitz