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Meier, Helmut (Hrsg.) 

“Leo Stern (1901–1982). Antifaschist, Historiker, Hochschullehrer und Wissenschaftspolitiker”

trafo verlag 2002, [= Gesellschaft – Geschichte – Gegenwart, Bd. 30], 198 S., Fotos und Abb., geb., ISBN 3-89626-370-6, 26,80 EUR

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

Vorwort

 

Grußwort an die Teilnehmer des Kolloquiums aus Anlaß des 100. Geburtstages von Leo Stern am 27. März 2001 in Halle/Saale
Josef Gerats

Leo Stern als sozialistische Wissenschaftlerpersönlichkeit – Motivation und praktisches Handeln
Hans-Joachim Bartmuß

Vom Gefechtsstand in den Hörsaal. – Leo Sterns Lebensweg bis zu seiner Berufung nach Halle
Mario Kessler

Leo Stern als Rektor der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Hans Hübner

Assistent bei Leo Stern
Gerhard Fuchs

Persönliche Erinnerungen an Leo Stern als Hochschullehrer
Ernst Luther

Leo Sterns Rolle bei der Herausbildung und Entwicklung der Geschichte der Geschichtswissenschaft in der DDR
Helmut Meier

Leo Stern als Anreger von Forschungen zur deutschen Europa- und Mitteleuropapolitik
Roswitha Berndt

Leo Stern – Mitbegründer und erster Vorsitzender der HistorikerKommission DDR-UdSSR
Ernst Laboor

Leo Stern zur Geschichte des Zweiten Weltkrieges. Sein Beitrag auf der 1.Tagung der Historiker-Kommission DDR-UdSSR im November 1957
Karl Drechsler

Leo Sterns Arbeiten der Jahre 1957/60 und das Dogma von der "Unvermeidlichkeit der Niederlagen Deutschlands in zwei Weltkriegen"
Gerhart Hass

Die politische Karikatur – eine historische Quelle
Hellmuth Weber

Ein Dankeswort
Alice Stern

Verzeichnis der Schriften von Leo Stern
Walter Müller

 

Auszug:

Vorwort

Es ist eine bereits mehrfach geübte Praxis in der Schriftenreihe "Gesellschaft – Geschichte – Gegenwart" der Öffentlichkeit Beiträge zur Wissenschaftsgeschichte der DDR zu unterbreiten. Überwiegend haben bislang dafür Jubiläen von namhaften Fachvertretern einen willkommenen Anlaß geboten. Das ist auch im vorliegenden Falle so. Am 27. März 2001 jährte sich zum 100. Mal der Geburtstag von Prof. Dr. habil. Dr. h. c. mult. Leo Stern, der unbestritten zu den namhaftesten Historikern der DDR zählte. Von seinem Wirken gingen vielfältige Anregungen für wichtige Forschungsgebiete aus. Als Hochschullehrer nahm er prägenden Einfluß auf Generationen von Geschichtslehrern und unter seiner Anleitung haben viele Nachwuchswissenschaftler ihre Ausbildung erfahren.

Diese Tatsachen waren für seine Schüler und zahlreiche Interessenten Anlaß, seiner zu gedenken und Leben und Werk dieses antifaschistischen Kämpfers, produktiven Wissenschaftlers und engagierten sozialistischen Wissenschaftspolitikers und Hochschullehrers zu würdigen. Das geschah auf einer wissenschaftlichen Tagung am 27. März 2001 in Halle/Saale, die gemeinsam vom "Verein zur Förderung von Kultur, Wissenschaft und politischer Bildung in Sachsen-Anhalt e.V.", dem "Interessenverband ehemaliger Teilnehmer am antifaschistischen Widerstand, Verfolgter des Naziregimes und Hinterbliebenen e.V, Sachsen-Anhalt" und dem "Gesellschaftswissenschaftlichen Forum e.V. Berlin" getragen und vorbereitet worden war.

Da Leo Stern ohne Frage zu den herausragender Repräsentanten des wissenschaftlichen Lebens in der DDR gehörte, standen neben der Würdigung von Leben und Leistung des Jubilars zugleich auch Fragen der Wissenschaftsgeschichte der DDR auf der Tagesordnung. Dafür sprachen die Schwerpunkte der Tagung, nämlich das Wirken Sterns als marxistischer Historiker, seine Rolle in der Hochschul- und Wissenschaftspolitik sowie beim Aufbau und der Pflege internationaler Wissenschaftsbeziehungen. Der Tagungsort Halle war mit Bedacht gewählt, schließlich stellte die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg die Hauptwirkungsstätte Sterns dar. Über drei Amtsperioden war er ihr gewählter Rektor. Aus diesem Grunde werden sich viele Leser die berechtigte Frage stellen, warum die Alma Mater Hallensis nicht als Initiator und Organisator einer solchen Tagung in Erscheinung trat. Bemühungen der Veranstalter in dieser Richtung blieben jedoch ohne Erfolg. Es ist das ein weiteres Kennzeichen dafür, daß sich die ostdeutschen Universitäten im Umgang mit dem wissenschaftlichen Erbe schwer tun, das vierzig Jahre DDR hinterlassen haben.

Um so mehr sahen sich die Veranstalter und die Schülerschaft Leo Sterns in der Pflicht, dafür zu sorgen, daß sein Jubiläum gebührende Beachtung fand.

Der Verlauf der Tagung und das Echo auf die vorgetragenen anregenden Beiträge haben die Veranstalter veranlaßt, ihre Resultate zum Inhalt einer Veröffentlichung zu machen.

Der vorliegende Band erhebt nicht den Anspruch, Leben und Leistung Leo Sterns allseitig und schon gar nicht abschließend zu würdigen. Er unterbreitet vielmehr ein vielfältiges Angebot über wichtige ausgewählte Problemkreise seines Wirkens. Dennoch sind bei allem Bemühen, dem breiten Spektrum der Interessen des Geehrten Rechnung zu tragen, Lücken unübersehbar. Die wohl gewichtigste betrifft seine Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung. Sie haben in diesem Band bedauerlicher Weise nicht die gebührende Würdigung gefunden. Stern kommen nicht nur Verdienste dabei zu, dieses Fachgebiet als integrierenden Gegenstand universitärer Forschung und Lehre mit durchgesetzt zu haben; er hat gleichzeitig durch solide Quellenpublikationen dafür gesorgt, Forschung und Lehre darüber auf wissenschaftliche Grundlagen zu stellen. Darüber hinaus werden Kenner seine Rolle als Wissenschaftshistoriker unterbelichtet finden. Stern sind bedeutende Aktivitäten zur Universitätsgeschichte, zur Biographik von Gelehrten und vor allem zur Akademiegeschichte zu verdanken. Es soll auch nicht versäumt werden, darauf hinzuweisen, daß manche in diesem Band aufgegriffene Themenbereiche nur angerissen werden konnten. Sowohl zu seinem wissenschaftspolitischen als auch seinem internationalen Wirken wären noch viele Fakten und Gesichtspunkte hinzuzufügen gewesen. Der Sammelband unterlag in dieser Hinsicht, wie das oft der Fall ist, dem vorhandenen Angebot.

Dennoch halten die Herausgeber die Veröffentlichung der vorliegenden Beiträge wegen der Auswertung bislang unbekannten Quellenmaterials und der Darlegung interessanter neuer Gesichtspunkte für wichtig. Sie sehen ihn in erster Linie als eine Anregung und Aufforderung zu weiterer Forschung und Diskussion an. Selbstverständlich geben die Beiträge den Standpunkt der Autoren wieder. Das gilt sowohl für die Darstellung als auch für die enthaltene Selbstreflexion. Die Vielschichtigkeit der Persönlichkeit von Leo Stern, der Umfang seines Wirkens und die Fülle der von ihm behandelten Gegenstände lassen unterschiedliche Zugriffe und Gesichtspunkte der Beurteilung und Wertung zu. So differieren die Akzentsetzungen je nach dem Blickwinkel der Autoren. Der Leser wird auch auf Unterschiede in den Wertungen stoßen. Die Herausgeber halten das nicht für einen Nachteil.

Der Band enthält Beiträge unterschiedlichen Zuschnitts. Neben analytischen Darlegungen zum Werk des Geehrten, stehen Äußerungen, die die Wirkung seiner Persönlichkeit lebendig werden lassen. Die Autoren hatten die Möglichkeit, über das Vorgetragene hinaus, ihre Beiträge zu bearbeiten und zu erweitern. Die Herausgeber waren bemüht, in dem Band neben dem dominierenden wissenschaftlichen Anliegen auch die Atmosphäre der Tagung zur Geltung zu bringen. Einen Gewinn für den Informationswert der Publikation stellt zweifellos die vom Leiter der Zweigbibliothek Geschichte/Kunstgeschichte der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt, Dr. Walter Müller, besorgte umfassende Bibliographie der Schriften von Leo Stern und die von Prof. Ernst Laboor seinem Beitrag beigefügte Aufstellung der im Rahmen der Historikerkommission DDR-UdSSR verfaßten gedruckten und ungedruckten Arbeiten dar.

Trotz der Skizzenhaftigkeit des Bildes, das die Beiträge ergeben, lassen sie doch erkennen, daß dieser bemerkenswerten Wissenchaftlerpersönlichkeit, die in einer sehr komplizierten historischen Periode wirkte, nur ein differenziertes und kritisch-nachdenkliches Bild gerecht zu werden vermag, das gleichzeitig aufschlußreiche Schlaglichter auf die Leistungen und Defizite der Geschichtswissenschaft der DDR wirft. In diesem Sinne ist dieser Band als ein Beitrag zu einer konstruktiven und kritisch-selbstkritischen Durchleuchtung der Wissenschaftsgeschichte der DDR zu verstehen.

Da der Band im Jahre 2002 erscheinen wird, in dem die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ihr 500-jähriges Bestehen begeht, ist er von seinem Gegenstand her und auch durch die Mehrzahl der Autoren eine Gabe zu diesem bemerkenswerten Jubiläum.

Zum Abschluß möchten die Herausgeber nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, daß sie als Schüler Leo Sterns mit dieser Publikation ihrem Lehrer ihren Dank und ihren Respekt bekunden möchten.

 

Die Herausgeber