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Einleitung
Am 13. August 2001 blicken wir auf eines der einschneidendsten Ereignisse der deutschen Nachkriegsgeschichte zurück, das zugleich eine Zäsur in der Geschichte der internationalen Politik nach 1945 und eine der gefährlichsten Krisen des Kalten Krieges markiert.
Vor vierzig Jahren, in der Nacht zum 13. August 1961, begannen Angehörige der sogenannten Kampfgruppen der Arbeiterklasse und Volkspolizei im Auftrag der Führung der SED und geschützt durch die Nationale Volksarmee mit der Abriegelung Westberlins zunächst durch Stacheldraht. Die Drahtverhaue ersetzte man seit dem 18. August durch eine Mauer aus Betonplatten und Hohlblocksteinen. Damit wurde die Spaltung Deutschlands im wahrsten Sinne des Wortes zementiert. Fast dreißig Jahre blieb die Berliner Mauer das Symbol der Teilung, bis sie im Zuge der »friedlichen Revolution« in der DDR unter dem Druck der Massen am 9. November 1989 fiel.
Der Mauerbau war Höhe- und gleichzeitig Wendepunkt der zweiten Berlinkrise, die mit dem »Chruschtschow-Ultimatum« an die Westmächte, binnen sechs Monaten den Status einer »Freien Stadt« für West-Berlin zu vereinbaren, im November 1958 begonnen hatte. Eine Erforschung der Ursachen des Mauerbaus führt aber zurück bis zum 17. Juni 1953. Nach der Niederschlagung des Volksaufstandes sah eine ständig wachsende Zahl von Bürgern der DDR keinen anderen Weg, sich der SED-Diktatur zu entziehen, als die Flucht in den Westen. Die Berliner Sektorengrenze erschien insbesondere nach Verschärfung der Kontrollen an der innerdeutschen Grenze vielen als die rettende offene Tür. Immer mehr Menschen verließen das Land, bis Ende Juli 1961 hatte sich die Zahl der Flüchtlinge seit 1946 auf 3,1 Millionen Menschen addiert. Die politische Führung der DDR um Walter Ulbricht suchte händeringend nach Wegen, um das »Ausbluten« des Landes zu verhindern. Obwohl Ulbricht noch am 15. Juni 1961 in einer Pressekonferenz verkündet hatte, niemand habe die Absicht, eine Mauer zu errichten, gab er in der Nacht zum 13. August den Befehl, die Sektorengrenze in Berlin und damit das letzte Schlupfloch zu schließen. Von wem die Initiative zur Abriegelung ausging und wer den Plan dazu entwickelte - der deutsche oder der sowjetische Parteichef - von wem und wann das Datum festgelegt wurde, ist bis heute umstritten. Die Berliner reagierten fassungslos und mit ohnmächtiger Wut auf das Ereignis, der im Osten und im Westen zeitweise befürchtete Aufstand blieb aber aus. Wenige Tage später, am 24. August 1961, wurde der erste Flüchtling an der Berliner Mauer erschossen, bis 1989 verloren mehr als einhundert Menschen beim Versuch, die Berliner Mauer trotz des Schießbefehls zu überwinden, ihr Leben.
Vierzig Jahre nach ihrer Errichtung und 12 Jahre nach ihrer Öffnung ist die Mauer bis auf wenige Reste aus dem Stadtbild des »Neuen Berlin« verschwunden. Ihren Verlauf heute zu rekonstruieren, erfordert spezielles Kartenmaterial und archäologisches Gespür.
Der vierzigste Jahrestag des Mauerbaus ist Anlaß für eine Fülle von Gedenkforen verschiedenster Art: Wissenschaftliche Konferenzen, Vorträge, Diskussionen, Ausstellungen, Filmvorführungen und eine Vielzahl anderer Veranstaltungen richten den Blick aus unterschiedlichen Perspektiven auf die Ursachen und Folgen des Mauerbaus. Das Militärgeschichtliche Forschungsamt und das Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam e.V. haben sich in diesem Zusammenhang entschlossen, namhafte Zeitzeugen aus beiden damaligen Teilen Deutschlands in der brandenburgischen Landeshauptstadt auf einem Podium zusammenzuführen und mit ihnen über den »Schatten der Mauer - die zementierte Spaltung« zu diskutieren. Diese vorliegende Dokumentation des Gespräches soll einen Beitrag dazu leisten, die historischen Abläufe um den Mauerbau aufzuhellen und die Erinnerung an den 13. August 1961 aufrechtzuerhalten.
Potsdam, im August 2001
Hans Ehlert Hans-Hermann Hertle
Die Herausgeber