Herbert Hörz

Lebenswenden. – Vom Werden und Wirken eines Philosophen vor, in und nach der DDR

[= Autobiographien, Bd. 18], 2004, 576 S., zahlr. Abb., ISBN (10) 3-89626-313-7, ISBN (13) 978-3-89626-313-1, 36,80 EUR

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Zu den Rezensionen

Zum Inhalt

In seinen Erinnerungen schildert der 1933 in Stuttgart geborene Wissenschaftsphilosoph und -historiker Herbert Hörz seinen persönlichen Werdegang, der ihn aus dem nationalsozialistisch geprägten Kapitalismus über die antifaschistisch-demokratische Ordnung und Staatsdiktatur des Frühsozialismus in der DDR zur Kapitaldiktatur in der BRD führte. Er beschreibt Ideale und Illusionen eigenen Handelns, Handlungsmotive und Rahmenbedingungen seines Werdens und Wirkens, Philosophie und Politik in der DDR und die Entwicklung in den von ihm geprägten Einrichtungen.

Auf manchen inhaltlichen Streit, wie den um Robert Havemann, hat er seine eigene Sicht, durch Erlebnisse fundiert. Er verwahrt sich gegen die Diffamierung der DDR als Unrechtsstaat und begründet, warum er, trotz mancher Angebote, in der DDR blieb, die er reformieren wollte. Herbert Hörz begreift Philosophie als Welterklärung, Gedankenprovokation und Lebenshilfe. Sie kann sich, so seine Erfahrungen und Forderung, nur in der inter-, multi- und transdisziplinären Arbeit bewähren. Inhalte des eigenen philosophischen Denkens werden in konkreten Situationen und in der Auseinandersetzung gezeigt, Erfahrungen als Wissenschaftler in Funktionen, als Dekan, Sektionsdirektor und Akademie-Vizepräsident, in der FDJ und in der Gewerkschaft vermittelt. 

Als dialektischer Denker ist Hörz immer um die Erfassung der Widersprüchlichkeit von Ereignissen bemüht, ohne das persönliche Erleben mit Familie und Freunden auszusparen. Seine Erlebnisse und Erfahrungen vor, in und nach der "Wende" zeigen, dass kritische Sichten immer vorhanden waren, nicht ernst genommen wurden und die Implosion des Systems förderten. Hörz fordert eine solide Aufarbeitung der Vergangenheit, der Stärken und Schwächen der Wissenschaftsentwicklung in der DDR und danach. Das Buch zeigt, wie er die "Wende" theoretisch und praktisch verarbeitete und sich als Wissenschaftler unter widrigen Umständen weiter betätigte. Teil dieses Engagements war das Ringen um den Erhalt der Gelehrtensozietät der Akademie der Wissenschaften der DDR, die ihren öffentlich-rechtlichen Status durch Rechtsbruch am Einigungsvertrag verlor. Ihre Mitglieder ließen sich den Mund aber nicht verbieten. In ihrer Tradition entstand die Gelehrtengesellschaft der Leibniz-Sozietät, als deren Präsident er seit 1998 wirkt.

Jeder, der sich ernsthaft mit Wissenschaft in der DDR, mit dem Verhalten von DDR-Bürgern, ihren Wurzeln und ihrer weiteren Entwicklung auseinandersetzt, sollte auf die Lektüre dieses Buches nicht verzichten.

Inhaltsverzeichnis

1. Wozu Erinnerungen? – Eine Rechtfertigung des Autors 9

2. Wendemarken 22

3. Vom Werden eines Philosophen 34

3.1. Wie wird man Philosoph? 34

3.2. Kindheit in Echterdingen 36

3.3. Jugend in Erfurt 48

3.3.1. Krieg und Nachkrieg 49

3.3.2. Im Hallenbad 56

3.3.3. Lessingschule 65

3.3.4. Freizeit 77

3.4. Studium in Jena 81

3.5. Als Klausschüler nach Berlin 91

4. Philosophisches Institut der Humboldt-Universität 100

4.1. Anfänge 100

4.2. Lehrstuhl Philosophische Probleme der Naturwissenschaften 105

4.3. Vorlesungs- und Leitungstätigkeit 122

4.4. Publikationen 129

4.5. Lehrstuhl und Heuristik 137

4.5.1. Heuristik als Anspruch 138

4.5.2. Persönliches 140

4.5.3. Der Lehrstuhl in der Auseinandersetzung 142

4.5.4. Das Ley-Haus – eine offene Schule 143

5. Weitere Begegnungen 145

5.1. Reisen, Freunde, Diskussionspartner 146

5.2. Engelbert Broda 159

5.3. Robert S. Cohen 162

5.4. Paul Feyerabend 167

5.5. Johann Götschl 171

5.6. Robert Havemann 180

5.7. Fritz Hintze 194

5.8. Walter Hollitscher 202

5.9. Leopold Hornik 211

5.10. Artschil Jakimowitsch Iljin 212

5.11. Georg Klaus 215

5.12. Friedhart Klix 227

5.13. Rolf Löther 229

5.14. Hans-Jürgen Treder 238

5.15. Siegfried Wollgast 241

5.16. Klaus Zweiling 245

6. Philosophie und Politik in der DDR 254

6.1. Eine Auseinandersetzung um die Entwicklung der Philosophie in der DDR 254

6.2. Profilierung 259

6.3. Hoffnung und Repressionen 268

6.4. Machtstabilisierung 285

6.5. Apologie und Systemimplosion 299

6.6. Neubeginn? 308

7. Arbeit in der Akademie der Wissenschaften der DDR 316

7.1. Übergang von der Universität zur Akademie 316

7.2. Bereich Philosophische Fragen der Wissenschaftsentwicklung an der AdW 319

7.2.1. Anfang und Ende eines Bereichs 320

7.2.2. Konzeptionelle Grundlagen und Forschungsstrategie 329

7.2.3. Ergebnisse 335

7.2.4. Streit im Problemrat um die heuristische Funktion der Philosophie 339

7.2.5. Abwicklung 345

7.3. Weitere Aktivitäten 348

8. Zwischen "Wende" und Ende des Moratoriums für die AdW-Institute 363

 

9. Episoden aus dem Philosophenalltag 376

9.1. Wahlen in Westberlin 377

9.2. Eine neue Stipendienordnung? 378

9.3. Vorlesungsbesuch in Bonn und Erfahrungen mit Westkollegen 381

9.4. Als Pressevertreter in Hamburg 386

9.5. Mauerbau 390

9.6. Ankunft zum Studienaufenthalt in Moskau 1964 395

9.7. Moskauer Ereignisse 398

9.8. Helgas Reise nach Moskau 404

9.9. Gespräche mit ungarischen und sowjetischen Philosophen 407

9.10. Vortrag von Walter Hollitscher 414

9.11. Kühlungsborn 1966 416

9.12. Philosophische Sektion der AdW 420

9.13. Urania 422

9.14. Hochschulreform 428

9.15. Lehrbuchdiskussionen 431

9.16. Kybernetik als Philosophieersatz? 434

9.16.1. Problemstellung 434

9.16.2. Politisch-ideologische Rahmenbedingungen 436

9.16.3. Vor- und Nebengeschichte: Walter Hollitscher 438

9.16.4. Öffentliche und interne Debatten 441

9.16.5. Philosophie und Kybernetik in der Auseinandersetzung 446

9.16.6. Kritikrichtungen 449

9.16.6.1. Können Computer denken? 451

9.16.6.2. Spieltheorie und dialektischer Determinismus 453

9.16.7. Fazit 455

9.17. Bericht über eine Parteiversammlung 457

9.18. Reiseerlebnisse 460

9.19. Familie 468

9.20. Generationsspezifik 474

9.21. Kunstgenuss 479

9.22. Zwischen Integritätskommission und Auflösungsvertrag 486

10. Leibniz-Sozietät 499

 

11. Zwischenbilanz: Zwischen Apologie und Aufklärung 507

11.1. Millenniumfieber und die Philosophie 507

11.2. Was kann Philosophie? 511

11.3. Erfahrungen eines Philosophen 514

11.4. Zweifel als Grundprinzip kreativen Handelns 517

11.5. Beständig ist nur der Wechsel 520

11.6. Theoriekrise und Freiheitsgewinn 525

11.7. Wahrheit und Toleranz 529

11.8. Eine neue Aufklärung ist erforderlich! 531

Anmerkungen (Kapitel 1–5) 534

Anmerkungen (Kapitel 6–11) 541

Anhang 557

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