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Valerij Brun-Zechovoj

“Manfred Stern – General Kleber. Das tragische Leben eines Berufsrevolutionärs (1896–1954)”

1999, ISBN 3-89626-175-4, 29,80 €

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 Zum Inhalt

“General Kleber, der Retter von Madrid” – so hieß er während des Bürgerkriegs 1936–1939 in Spanien, nachdem am 6. November 1936 die faschistischen Truppen vor Madrid durch die von ihm befehligte XI. Internationale Brigade geschlagen wurden und die Hauptstadt der Republik nicht in die Hände der Franco-Truppen fiel. Doch schon ein Jahr nach dieser legendären Schlacht wurde Manfred Stern nach Moskau zurückbeordert und ein weiteres Jahr darauf dort verhaftet. Im Mai 1939 verurteilte ihn das Militärkollegium des Obersten Gerichts der UdSSR zu 15 Jahren Lagerhaft, die er im Einzugsgebiet des Flusses Kolyma im fernen Nordosten zu verbüßen hatte. Im November 1945 wurde er ein zweites Mal, zu weiteren zehn Jahren Haft, verurteilt. Er starb 1954 in einem sibirischen Lager des GULag, ohne die Freiheit wiedergesehen zu haben.
Die Teilnahme Manfred Sterns am spanischen Bürgerkrieg und seine Rolle als Retter von Madrid wurde während dieses Krieges von Journalisten wie Ralph Fox und Jeffrey Cox sowie, in belletristischer Form, von Ernest Hemingway dokumentiert. Danach “verschwand” sein Name aus der Geschichtsschreibung über den spanischen Bürgerkriegs für fast ein Vierteljahrhundert – so lange währte das Schweigen über seine Person und seine Rolle bei der Verteidigung Madrids 1936. Es begann gleich nach der Niederlage der Spanischen Republik 1939, als die Kommunistische Internationale und ihre Sektionen aus den Ereignissen Bilanz zogen. So schrieb z.B. Gustav Szinda (von Juli bis September 1937 Stabschef der XI. Brigade und von 1939 bis 1940 Mitarbeiter der Abteilung für internationale Kader des ZK der KP Spaniens) in einer von ihm zusammengestellten Liste des Kommandobestandes der Internationalen Brigaden, daß der erste Kommandeur der XI. Brigade Hans Kahle gewesen wäre. Der Autor des 1940 im Militärverlag des Volkskommissariats für Verteidigung der UdSSR erschienenen Buches “Der Kampf um Madrid”, A. Ssamarin, beschrieb ausführlich die Operationen der republikanischen Armee von Herbst 1936 bis Frühjahr 1937, erwähnte auch die Rolle der Internationalen Brigaden, nannte aber nur die Namen der spanischen Kommandeure; so konnte er die Nennung des gefallenen Helden des Freiheitskampfes, General Lukacs, als auch des zur Unperson gemachten General Kleber, ausklammern.

Erst nach dem XX. Parteitag der KPdSU 1956 wurden viele Opfer des stalinistischen Terrors rehabilitiert und auch der gute Namen von Manfred Stern wiederhergestellt. In der Rehabilitationsschrift des Militärkollegiums des Obersten Gerichts der UdSSR wurde 1956 der fehlende Tatbestand eines Verbrechens festgestellt.

1959 schrieb Ludwig Renn in seinem Buch “Im spanischen Krieg” über ihn. Das Gesamtschicksal des “Retters von Madrid” blieb jedoch ungeschrieben.

Der Vorhang vor dem tragischen Schicksal General Klebers konnte erst 1989 gehoben werden. Im April jenen Jahres hatte die damals gegründete “Memorial”-Gesellschaft einen Abend unter dem Motto “Sie sind aus Spanien zurückgekehrt...” organisiert. Er behandelte das Schicksal jener sowjetischen Teilnehmer am spanischen Bürgerkrieg, die nach ihrer Rückkehr den stalinistischen Repressalien zum Opfer gefallen waren. Dort war erstmalig wieder von Manfred Stern die Rede – über ihn sprach sein Sohn. Wohl kannte aber auch er damals über das Schicksal seines Vaters nicht alles – Glasnost wirkte trotz positiver Veränderungen nicht allumfassend. Aber es waren jene Jahre der Hoffnung, die das Wissen über Manfred Stern doch um Neues bereicherten, und zwar gerade über die am meisten verschwiegene und bedrückendste Periode seines Lebens – die 15 Jahre der Haft im GULag.

Darüber berichteten Iwan Grischin-Grischtschuk in seinem Beitrag “Der Mensch, der Madrid rettete” und Anatolij Shigulin in seinem Buch “Schwarze Steine”.

Aber keiner der Autoren, die seit den fünfziger Jahren über Manfred Stern geschrieben haben, konnte sich auf Quellen der Komintern- oder der Militärarchive stützen, geschweige denn Zugang zum Archiv der Staatssicherheit – des damaligen NKWD, späteren KGB und jetzigen Föderalen Sicherheitsdienstes – bekommen. Erst dem russischen Wissenschaftler und Publizisten Valerij Brun-Zechovoj ist es trotz aller Widrigkeiten gelungen, einige neue und sehr wichtige Dokumente aufzufinden. Sie werden im Anhang zu diesem Buch abgedruckt, ebenso wie einige der wenigen Fotos von Manfred Stern, die überwiegend aus dem Privatarchiv des Sohnes von Manfred Stern stammen.

Der Mensch tritt nicht in die Welt, um ein vorausbestimmtes Ziel zu erfüllen. Er wird häufig von historischen Ereignissen getrieben und von ihnen vor die Wahl gestellt – erst recht in so stürmischen Zeiten, wie es die ersten Jahrzehnte unseres Jahrhunderts waren. Es wird dann eine Sache des Mutes, der Charakterfestigkeit und der Treue zu den einst gewählten Idealen, bei der einmal getroffenen Entscheidung zu bleiben. So auch bei Manfred Stern: Nicht dem Stalinismus diente er 15 Jahre lang, sondern den edlen Zielen, die er sich als junger Mensch einmal gesetzt hatte. Er war ein Sohn seiner Zeit, in der der Einzelne menschliche Güte durchaus mit dem Glauben an die Weisheit der Partei und ihrer Führer für vereinbar hielt. Seine Ideale meinte Manfred Stern ernst – sein selbstloser Einsatz war dafür der beste Beweis. Von diesen Idealen getragen, ist er unter unmenschlichen Bedingungen ein Mensch geblieben.

 

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

I. Kapitel: Vom Dorf Woloka in der Bukowina bis zum Fernen Osten

II. Kapitel: Fünfzehn Jahre im Dienst der UdSSR und der Komintern

III. Kapitel: Ein spanisches Jahr

IV. Kapitel: In den Folterkellern Stalins

Nachwort

Anhang:
Dokument 1: Brief Manfred Sterns an J. W. Stalin, 1. Juni 1944

Dokument 2: Brief Manfred Sterns an D. S. Manuilski, 1. Juni 1944

Dokument 3: Brief D. S. Manuilskis an L. Berija (undatiert)

Dokument 4: Bittschrift Manfred Sterns an J. W. Stalin, Oktober 1952

 

 

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