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1999, ISBN 3-89626-175-4, 29,80 €

IWK Berlin, Heft 3/2000, S. 406, Rezensent: Michael Uhl
Alfred Klahr Gesellschaft - Mitteilungen, Wien, 8. Jg. / Nr. 2 / Juni 2001, S. 8f., Rezensent: Gerhard Oberkofler
The China Quarterly 2001, Cambridge University Press, S. 758ff., Rezensent: Thomas Kampen
“General Kleber, der Retter von Madrid” – so hieß
er während des Bürgerkriegs 1936–1939 in Spanien, nachdem am
6. November 1936 die faschistischen Truppen vor Madrid durch die von ihm
befehligte XI. Internationale Brigade geschlagen wurden und die Hauptstadt
der Republik nicht in die Hände der Franco-Truppen fiel. Doch schon
ein Jahr nach dieser legendären Schlacht wurde Manfred Stern nach
Moskau zurückbeordert und ein weiteres Jahr darauf dort verhaftet.
Im Mai 1939 verurteilte ihn das Militärkollegium des Obersten Gerichts
der UdSSR zu 15 Jahren Lagerhaft, die er im Einzugsgebiet des Flusses Kolyma
im fernen Nordosten zu verbüßen hatte. Im November 1945 wurde
er ein zweites Mal, zu weiteren zehn Jahren Haft, verurteilt. Er starb
1954 in einem sibirischen Lager des GULag, ohne die Freiheit wiedergesehen
zu haben.
Die Teilnahme Manfred Sterns am spanischen Bürgerkrieg
und seine Rolle als Retter von Madrid wurde während dieses Krieges
von Journalisten wie Ralph Fox und Jeffrey Cox sowie, in belletristischer
Form, von Ernest Hemingway dokumentiert. Danach “verschwand” sein Name
aus der Geschichtsschreibung über den spanischen Bürgerkriegs
für fast ein Vierteljahrhundert – so lange währte das Schweigen
über seine Person und seine Rolle bei der Verteidigung Madrids 1936.
Es begann gleich nach der Niederlage der Spanischen Republik 1939, als
die Kommunistische Internationale und ihre Sektionen aus den Ereignissen
Bilanz zogen. So schrieb z.B. Gustav Szinda (von Juli bis September 1937
Stabschef der XI. Brigade und von 1939 bis 1940 Mitarbeiter der Abteilung
für internationale Kader des ZK der KP Spaniens) in einer von ihm
zusammengestellten Liste des Kommandobestandes der Internationalen Brigaden,
daß der erste Kommandeur der XI. Brigade Hans Kahle gewesen wäre.
Der Autor des 1940 im Militärverlag des Volkskommissariats für
Verteidigung der UdSSR erschienenen Buches “Der Kampf um Madrid”, A. Ssamarin,
beschrieb ausführlich die Operationen der republikanischen Armee von
Herbst 1936 bis Frühjahr 1937, erwähnte auch die Rolle der Internationalen
Brigaden, nannte aber nur die Namen der spanischen Kommandeure; so konnte
er die Nennung des gefallenen Helden des Freiheitskampfes, General Lukacs,
als auch des zur Unperson gemachten General Kleber, ausklammern.
Erst nach dem XX. Parteitag der KPdSU 1956 wurden
viele Opfer des stalinistischen Terrors rehabilitiert und auch der gute
Namen von Manfred Stern wiederhergestellt. In der Rehabilitationsschrift
des Militärkollegiums des Obersten Gerichts der UdSSR wurde 1956 der
fehlende Tatbestand eines Verbrechens festgestellt.
1959 schrieb Ludwig Renn in seinem Buch “Im spanischen
Krieg” über ihn. Das Gesamtschicksal des “Retters von Madrid” blieb
jedoch ungeschrieben.
Der Vorhang vor dem tragischen Schicksal General
Klebers konnte erst 1989 gehoben werden. Im April jenen Jahres hatte die
damals gegründete “Memorial”-Gesellschaft einen Abend unter dem Motto
“Sie sind aus Spanien zurückgekehrt...” organisiert. Er behandelte
das Schicksal jener sowjetischen Teilnehmer am spanischen Bürgerkrieg,
die nach ihrer Rückkehr den stalinistischen Repressalien zum Opfer
gefallen waren. Dort war erstmalig wieder von Manfred Stern die Rede –
über ihn sprach sein Sohn. Wohl kannte aber auch er damals über
das Schicksal seines Vaters nicht alles – Glasnost wirkte trotz positiver
Veränderungen nicht allumfassend. Aber es waren jene Jahre der Hoffnung,
die das Wissen über Manfred Stern doch um Neues bereicherten, und
zwar gerade über die am meisten verschwiegene und bedrückendste
Periode seines Lebens – die 15 Jahre der Haft im GULag.
Darüber berichteten Iwan Grischin-Grischtschuk
in seinem Beitrag “Der Mensch, der Madrid rettete” und Anatolij Shigulin
in seinem Buch “Schwarze Steine”.
Aber keiner der Autoren, die seit den fünfziger
Jahren über Manfred Stern geschrieben haben, konnte sich auf Quellen
der Komintern- oder der Militärarchive stützen, geschweige denn
Zugang zum Archiv der Staatssicherheit – des damaligen NKWD, späteren
KGB und jetzigen Föderalen Sicherheitsdienstes – bekommen. Erst dem
russischen Wissenschaftler und Publizisten Valerij Brun-Zechovoj ist es
trotz aller Widrigkeiten gelungen, einige neue und sehr wichtige Dokumente
aufzufinden. Sie werden im Anhang zu diesem Buch abgedruckt, ebenso wie
einige der wenigen Fotos von Manfred Stern, die überwiegend aus dem
Privatarchiv des Sohnes von Manfred Stern stammen.
Der Mensch tritt nicht in die Welt, um ein vorausbestimmtes
Ziel zu erfüllen. Er wird häufig von historischen Ereignissen
getrieben und von ihnen vor die Wahl gestellt – erst recht in so stürmischen
Zeiten, wie es die ersten Jahrzehnte unseres Jahrhunderts waren. Es wird
dann eine Sache des Mutes, der Charakterfestigkeit und der Treue zu den
einst gewählten Idealen, bei der einmal getroffenen Entscheidung zu
bleiben. So auch bei Manfred Stern: Nicht dem Stalinismus diente er 15
Jahre lang, sondern den edlen Zielen, die er sich als junger Mensch einmal
gesetzt hatte. Er war ein Sohn seiner Zeit, in der der Einzelne menschliche
Güte durchaus mit dem Glauben an die Weisheit der Partei und ihrer
Führer für vereinbar hielt. Seine Ideale meinte Manfred Stern
ernst – sein selbstloser Einsatz war dafür der beste Beweis. Von diesen
Idealen getragen, ist er unter unmenschlichen Bedingungen ein Mensch geblieben.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
I. Kapitel: Vom Dorf Woloka in der Bukowina bis zum Fernen Osten
II. Kapitel: Fünfzehn Jahre im Dienst der UdSSR und der Komintern
III. Kapitel: Ein spanisches Jahr
IV. Kapitel: In den Folterkellern Stalins
Nachwort
Anhang:
Dokument 1: Brief Manfred Sterns an J. W. Stalin,
1. Juni 1944
Dokument 2: Brief Manfred Sterns an D. S. Manuilski,
1. Juni 1944
Dokument 3: Brief D. S. Manuilskis an L. Berija
(undatiert)
Dokument 4: Bittschrift Manfred Sterns an J.
W. Stalin, Oktober 1952
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