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Hans Hübner

“Helen Ernst. Ein zerbrechliches Menschenkind (1904–1948). 
Athen, Zürich, Berlin, Amsterdam, Ravensbrück, Schwerin. 
Stationen einer Künstlerin im Widerstand”

ISBN 3-89626-147-9, trafo verlag 2002, 383 S., zahlr. Abb., EUR 39,80 

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Rezensionen

 


Zum Inhalt

Menschen wie Hans und Lea Grundig, Carl Meffert, Willi Münzenberg, Paul Citroen und vor allem Käthe Kollwitz fühlte sich Helen Ernst sehr verbunden und von ihnen beflügelt. Als uneheliches Kind eines deutschen Auslandsbeamten und seiner aus Niedersachsen stammenden Hausangestellten wurde Helen Ernst 1904 in Athen geboren. Der kaisertreue Vater adoptierte die Tochter und ließ sie in Zürich und Berlin gutbürgerlich erziehen, währenddessen er die Mutter verstieß.
Ihr ganzes Leben begleiteten sie die traumatischen Ängste vor dem despotischen Vater. Zum besonders erschütternden Jugenderlebnis wurde ihr die zufällige Begegnung mit der Mutter, die als Fabrikarbeiterin ein elendes Dasein fristete.

Als Modezeichenlehrerin und mondäne Designerin später preisgekrönter Kostüme für die Berliner Film- und Theaterbälle stieg die talen- tierte Helen Ernst zu einer der neuen Frauen der “goldenen zwanziger Jahre” auf.

Unter dem Eindruck der Weltwirtschaftskrise erwachte ihr soziales Gewissen. Sie unterstützte antifaschistische Aktionen der Roten Hilfe und der KPD und war bald eine der engagiertesten Mitglieder der legendären Assoziation Revolutionärer Bildender Künstler Deutschlands. John Heartfields Fotomontagen und nicht zuletzt die Pinselzeichnungen von Helen Ernst – Berliner Alltagsschilderungen am Vorabend des Faschismus – setzten in der ASSO Maßstäbe. Auch international wurde sie wirksam. In der Künstlerkommune “Fontana Martina” in der Südschweiz, deren Vorbild Heinrich Vogelers Worps-weder Barkenhoff war, und bei der von Henri Barbusse herausgegebenen illustrierten Zeitschrift “Le Monde” in Paris, war Helen Ernst ein gern gesehener Gast.

1933 wurde sie zweimal inhaftiert, im Berliner Frauengefängnis Barnimstraße und in Kiel.

1934 emigrierte sie in die Niederlande. “...ich war fleißig, arm und tapfer”, beschrieb sie ihr sechsjähriges Exil in den Niederlanden. Sie unterstützte den Widerstand gegen Hitler, zeichnete unter dem Pseu-donym “Skorpio” für die antifaschistische Presse und schuf zahlreiche Illustrationen zu Werken von Heine und russischen Klassikern wie Gontscharow (“Oblomow”), Puschkin und Gorki. Als Modepädagogin von Rang gehörte sie an der “Nieuwen Kunstschool” zu den “Bauhäuslern von Amsterdam”.

Nach der Besetzung der Niederlande durch deutsche Truppen wurde sie 1940 verhaftet und später in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück gebracht, wo sie bis zur Befreiung am 1. Mai 1945 verblieb.

Ihr künstlerischer Neubeginn in Schwerin, mit dem sie die Last der höllischen Lagerzeit zu bewältigen suchte, wurde überschattet von Vorwürfen einzelner KZ-Kameradinnen, sie hätte mit der Lager-SS kollaboriert. 1948 wurde Helen Ernst voll rehabilitiert, doch der Freispruch des SED-Parteischiedsgerichtes traf eine Todkranke, die wenige Monate später an TBC verstarb. Auf ihren Wunsch wurde sie auf dem Bergfriedhof Groß Zicker auf Rügen beigesetzt.

Bis Mitte der 80er Jahre bestand in der DDR wenig Interesse an ihrem vielseitigen Gesamtschaffen und vor allem ihrem tragischen Lebensschicksal. So wurden ihre 1946/47 geschaffenen KZ-Zeichnungen erst vierzig Jahre später in Schwerin entdeckt und erstmalig ausgestellt, In der alten Bundesrepublik war sie – außer bei wenigen Freunden – eine völlig Unbekannte. In 15jähriger Arbeit hat der Berliner Bibliothekar Hans Hübner im In- und Ausland, vor allem in den Niederlanden, aber auch in Paris, Zeitzeugen befragt und Hunderte Originalarbeiten und Pressezeichnungen, von ihr illustrierte Bücher sowie Lebenszeugnisse, darunter Briefe, Fotos und Akten aufgespürt, zusammengetragen und ausgewertet. Das ermöglicht eine fast geschlossene Dokumentation zu Leben und Werk der hochsensiblen und hochbegabten Antifaschistin Helen Ernst. Hans Grundig, der 1934/35 mit einem bitterschönen Helen-Ernst-Porträt eines der tragischsten Frauenbildnisse aller Zeiten schuf, nannte sie ein “zerbrechliches Menschenkind”.

Stimmen ...

 

Inhaltsverzeichnis

1. Skandal in Athen

2. Der Vater - ein unverheirateter Auslandsbeamter

3. Die Mutter ein Dienstmädchen auf Reisen 4 Eine Mutter bangt um ihr Kind

5. Von Athen über Potsdam nach Zürich

6. Eine Kindheit ohne Mutter

7. Ein Mädchen zeichnet auf der Straße die Revolution

8. Etwas Neues - Frauen dürfen Berufe lernen

9. Eine Tochter findet ihre Mutter und bricht mit dem Vater

10. An der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule Berlin-Ost

11. Rastlos im rastlosen Berlin

12. Hochzeit mit Hil bei Stauden-Foersters in Potsdam-Bornim

13. "Die Tätigkeit ausschließlich zur Belustigung der besseren Gesellschaft sagte mit schon lange nicht mehr zu"

14. Fontana Martina - "unter ständiger Mitarbeit von Heien Ernst (Berlin)"

15. "Weisst du, dass Willi Tro. mir rührende Briefe schreibt? Der gute liebe Kerl."

16 Rote Hilfe durch Helen Ernst für Walter Keppler

17. Im Berliner Frauengefängnis Barnimstraße und der Roman "Vrouwengevangenis"

18. Helen Ernst wurde 1933 keine "Märzgefallene"

19. Als Gast bei der Bäuerin Lilli Arp auf der Laboe in Schleswig-Holstein

20. Wärme bei der Familie von Landpastor Fritz Sieg in Pommern

21. Freundliche Aufnahme in den Niederlanden

22. Hans Grundig malt 1934 Helen Ernst in Dresden

23. Besuch bei Anne und Marius ten Raa in Bakkum - eine Erinnerung von Hans ten Raa

24 Bei den "Bauhäuslern von Amsterdam"

25. Illustrationen für "Peter kann zeichnen" von Tami Oelfken

26 "Ich war fleißig, arm und tapfer."

27. Illustratorin von Rang für die "Wereldbibliotheek" Nico van Suchtelens

28. Mitarbeit an der Ausstellung "De Olympiade Onder Dictatuur (D.O.O.D.)" 1936 in Amsterdam

29. Nach illegalen Deutschland-Reisen - Mitarbeit an den "Deutschlandberichten des Auslandsbüros der Gruppe sozialistische Nation" in Paris

30. Verlust der deutschen Staatsbürgerschaft

31. Überleben im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück

32 "Helen hat uns das Leben gerettet...-" - Zwei Französinnen über Helen Ernst in Ravensbrück (Denise Dufournier, 1946 Christiane Remè, 1998)

33. Abkommandiert in das Nebenlager Barth am Barther Bodden

34. 1945 befreit mit der Tricolore durch Mecklenburg-Vorpommern nach Crivitz

35. Helen Ernst sagt 1945 vor der Roten Armee über Ravensbrück aus

36. Herbst 1945: Abstecher von Helen Ernst in die Eifel

37 In Schwerin - zweite Heirat und Versuch eines künstlerischen Neuanfangs

38. Von Mutmaßungen aus Ravensbrück, mit der SS zusammen gearbeitet zu haben, eingeholt. Schweriner Verfahren gegen Helen Ernst 1946-1948

39. "Hauptbelastungszeugin" Rosa Jochmann

40. Daß eine derart starke künstlerische Kraft Behinderung findet, ist durch nichts entschuldbar

41. Bitte um baldige Stellungnahme und OdF-Ausschußsitzung am 16. Oktober 1947 ohne die Betroffene

42. Genossen - Helfer in der Not?  - Zum Verhalten von Richard Hilgert und Eva Fritzsche und des Zentralsekretariats der SED

43. Nach 13 Jahren 1947 neuer Kontakt mit Hans Grundig in Dresden

44. Gerechtigkeit vor dem SED-Parteischiedsgericht 1948

45. Eine todkranke Rehabilitierte

46. Tod in Schwerin und Beerdigung in Groß Zicker

47. Widersprüchliche Pflege des Erbes von Helen Ernst

 

Fußnoten und Zitatnachweise Anhang (Dokumente)

Biographie Helen Ernst tabellarisch

Personenregister

Helen Ernst in der Literatur (Auswahl)

Abkürzungen

Bildnachweis und Danksagungen

Zum Autor

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