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Karl Walcher & Ernst Stock
Jacob Walcher. Gewerkschafter und Revolutionär zwischen
Berlin, Paris und New York (1887–1970)
ISBN 3-89626-144-4, 1999, EUR
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ZU DEN REZENSIONEN
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Zum Inhalt
Jacob Walcher stammt aus dem oberschwäbischen
Dorf Wain bei Biberach. Er kannte viele Persönlichkeiten der europäischen
Arbeiterbewegung. Mit Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht hat er im Spartakusbund
Pläne für eine deutsche Revolution geschmiedet, mit Lenin, Trotzki
und Clara Zetkin diskutiert. Er war der Mentor des jungen Willy Brandt,
Freund und politischer Berater von Bertolt Brecht.
Ein begnadeter Redner und Schreiber von hoher,
selbst angeeigneter Bildung, hatte er eine Ausstrahlung, der sich weder
Freund noch Gegner entziehen konnten. Walcher war bekannt für sein
selbständiges Denken über sozialistische Grundwerte. Er war ein
Sucher und Kritiker. Konfrontationen mit Parteiapparaten scheute er nie.
Mit 14 Jahren mußte er sich in Stuttgart
als Hilfsarbeiter durchschlagen. 1906 lernte er bei Daimler Dreher, trat
in die Gewerkschaft und SPD ein. Bei Daimler und Bosch wurde er rasch zum
Vertrauensmann seiner Kollegen gewählt. Später war er Vorsitzender
der Stuttgarter sozialistische Jugendorganisation und Redakteur der “Schwäbischen
Tagwacht”. Als entschiedener Kriegsgegner wurde er mehrfach verhaftet.
Novemberrevolution 1918: Walcher gehörte
zu den wichtigen Leuten der Spartakusgruppe. Er war beim Aufstand in Berlin
dabei, hielt auf Straßen und Plätzen Stuttgarts aufrüttelnde
Reden; bereitete die KPD-Gründung mit vor und war Vorsitzender der
Gründungskonferenz. Er wurde in das Zentralkomitee der jungen KPD
gewählt und war für die Gewerkschaftsarbeit verantwortlich.
Walcher war ein entschiedener Gegner der Politik
Stalins. Daher mußte er 1924 seinen Posten in der Zentrale der KPD
verlassen und wurde 1928 aus der KPD ausgeschlossen. Seine Konsequenz:
Er wurde Mitbegründer der KPD-Opposition. Frühzeitig, schon Ende
der 20er Jahre, sah er die faschistische Gefahr und kämpfte
für die Einheitsfront aller linken Organisationen. 1931 formierte
sich in der SPD eine linke Gruppe zur Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP).
Walcher glaubte an die Chance, eine Brücke zwischen SPD und KPD bauen
zu können, deshalb ging er zur SAP.
1933: Die Nazis hatten Walcher ganz oben auf
der Liste ihrer Feinde. Er mußte sofort in die Illegalität,
emigrierte nach Paris, wo er als Vorsitzender die Auslandsleitung der SAP
aufbaute und die Widerstandsarbeit organisierte. Walcher wurde von den
Nazis ausgebürgert.
Im Pariser Hotel “Lutetia” kamen im September
1935 deutsche Hitlergegner zusammen. Ein historisches Ereignis: Für
dieses eine Mal konnte sich die “Linke” mit einer gemeinsamen Erklärung
gegen Hitler zusammenfinden. Walcher war Mitorganisator des Versuchs der
Volksfrontbewegung. Er kritisierte die taktischen Manöver der KPD-Vertreter.
Nach Kriegsausbruch gelang Walcher über
Spanien die Flucht in die USA. Als Mitarbeiter im Rat für ein demokratisches
Deutschland legte er ein Konzept für eine freiheitliche Gewerkschaftsbewegung
im Nachkriegsdeutschland vor. Walcher wollte am Aufbau eines deutschen
Sozialismus mitarbeiten; so entschied er sich nach 1945 für Ostdeutschland.
Die Stalin nicht genehmen Linken sahen sich dort nach kurzer Zeit der Verfolgung
ausgesetzt. Walcher verlor 1951 seine Arbeit als Chefredakteur der “Tribüne”
und wurde 1952 als “Verräter” zum zweiten Mal aus der Partei
ausgeschlossen. 1956 wurde er zögernd und halbherzig rehabilitiert.
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Stimmen zum Buch
Prof. Theodor Bergmann, Stuttgart: “Eine spannende
Biographie. Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, ihrer großen
Persönlichkeiten, ihrer großen Auseinandersetzungen ... packend
geschrieben – der Mensch Jacob Walcher steht lebendig vor uns.”
1986 Oslo: Ein historisch bedeutender Fund wird
vorgestellt: über 100.000 Papiere, in Kisten verpackt. Es ist das
verschollen geglaubte Archiv der Exil-SAP. Vorsitzender Walcher hatte es
vor dem Einmarsch der deutschen Truppen in Paris zu seinem Verbindungsmann
Willy Brandt nach Norwegen geschickt.
1990 Berlin: Bisher verschlossene DDR-Archive
öffnen sich: Dokumente mit dem Stempel: “streng geheim”, können
endlich eingesehen werden. Die “Akte Walcher” war für die ehemaligen
Machthaber besonders brisant.
Willy Brandt: “Walcher war für mich einer
der kernigsten Repräsentanten der alten deutschen Arbeiterbewegung:
selbstsicher und kulturbewußt, kein blutleerer Intellektueller, sondern
ein intelligenter und vitaler Facharbeiter. Man kann sich heute kaum noch
vorstellen, welche Bildung, auch klassischer Prägung, und welches
Kunstverständnis sich dieser Typus eines klassenbewußten Arbeiters
angeeignet hatte.” (1982, in seinem Buch: “Links und frei”)
Bekannt ist die politische Richtungsdiskussion
zwischen Walcher und Brandt: Wo sollen sich Sozialisten im Nachkriegsdeutschland
engagieren – im Osten oder im Westen?
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