Anneliese Braun

“Arbeit ohne Emanzipation und Emanzipation ohne Arbeit?”

[=Auf der Suche nach der verlorenen Zukunft, Bd. 8”, trafo verlag 1999, 187 S., ISBN 3-89626-137-1, EUR 13,80

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Zum Inhalt

Die heute stattfindende Polarisierung der Erwerbsarbeit und die damit verbundene Ausgrenzung immer größerer Teile der Bevölkerung  vor allem in den Industrieländern ist mit den bisherigen Mitteln weiteren Wirtschaftswachstums nicht zu lösen. Anneliese Braun geht es in ihrer Forschungsarbeit nicht nur um eine Untersuchung des gegenwärtigen Mythos von der Erwerbsarbeit als der Arbeit schlechthin, sondern auch um die vielen bereits vorhandenen Ideen, Unternehmen, Projekte und Chancen für ein anderes emanzipatorisches und ganzheitliches Arbeitsmodell. Sie demonstriert, daß Erwerbsarbeit eine historisch begrenzte Erscheinung ist, die es nicht immer gab und nicht immer geben muß.
Ohne eine grundlegende Umstrukturierung, die tendenziell den patriarchalen und marktwirtschaftlichen Kontext der notwendigen Reproduktionstätigkeiten aufbrechen müsse, werde es keine grundlegenden Behebung der sich weltweit ausdehnenden Krise geben. So spürt Anneliese Braun erstmals Zukunftsträchtiges in der realen Gegenwart auf und enthüllt dessen Potenz zu einer grundlegenden systemischen Veränderung. Sie vermittelt und untermauert damit die Erkenntnis, daß neue wirtschaftliche Strukturen einer antipatriarchalen, antikapitalistischen Gesellschaft sich im Schoße der patriarchal-kapitalistischen entwickeln.
Das Neue an der vorliegenden Arbeit besteht darin, daß aus einer sowohl antipatriarchalen wie antikapitalistischen Sicht in kritischer Verarbeitung aller relevanten theoretischen Positionen zur Geschichte der Arbeit und der Arbeitsteilungen, speziell der zwischen der Reproduktion der Lebens-Mittel und der Reproduktion des Lebens, neue produktive Positionen zur Aufhebung des status quo vorgetragen werden. In diesen sind die emanzipatorischen Theorien der Vergangenheit ebenso aufgehoben wie neuere Überlegungen, Theorien und Modelle. Bei aller sachlichen Kritik wird keine dieser Überlegungen verteufelt. Vielmehr wird aufgezeigt, welchen Beitrag sie auf dem Wege zu einer grundlegenden Umstrukturierung leisten können und welche Schwächen sich nach Meinung der Autorin als kontraproduktiv zu ihrem Anliegen erweisen werden. In diese Arbeit gingen auch die konkreten Erfahrungen der Autorin aus dem Scheitern des realsozialistischen Versuch ein.
Ein Glossar aller wichtigen mit dem Thema zusammenhängenden Begriffe erleichtert den LeserInnen den Zugang zu der keineswegs einfachen Materie.
 

Inhaltsverzeichnis

Editorial  7
Einleitung 9
I.  Arbeit ist mehr als Erwerbsarbeit – eine andere Sicht aus der Reproduktion des Lebens  13
 1. Das Janusgesicht der Erwerbsarbeit   13
 2.  Arbeitsleid – Lebenstätigkeiten werden zur Plage 18
 3.  Arbeiten wofür? Mittel zum Leben versus Leben? 26
 3.1 Umbewertung der Arbeit bedeutet andere Strukturen 33
 4.  Reproduktionsarbeit im Konflikt zwischen Lebensgrundlagen, Patriarchat und Warenverhältnissen  38
  4.1 Patriarchat als historisches Durchgangsstadium 38
  4.2 Lebensgrundlagen im Konflikt zu Patriarchat und Warenverhältnissen 43
 5.  Gesellschaftliche Arbeitsteilung aufbrechen und anders gestalten 49
II.  Das Reich der Notwendigkeit kehrt zurück – Die Warenwirtschaft frißt ihre eigenen Kinder 55
 1. Erwerbsarbeit im Umbruch zwischen Auflösung, Renaissance und Aufhebung 55
 2.  Warum wird der Überfluß zur Knappheit? Die Schwierigkeit, das Reich der Notwendigkeit zu verlassen 66
  3. Veränderte Strukturen  in der Erwerbsarbeit 74
  4.  Intensives Wirtschaftswachstum als Lösung für  Beschäftigungs- und Umweltprobleme? 80

III.  “Freie Zeit für alle” – Emanzipation ohne Arbeit? 85
 1.  “Freie Zeit für alle” – eine Vision zur Umbewertung von Arbeit? 85
 2.  Freizeit zwischen Vermarktung und Emanzipation  92
 3.  Neubewertung von Reproduktionsarbeit  94
  3.1 “Freie Zeit” für Frauen? 95
 4.  “Freie Zeit” und “Muße” – Traditionen und Mißverständnisse  100
 5.  Befreiung potentiell “freier Zeit” aus den Fesseln einer fast totalen Vermarktung  103
IV.  Jenseits der Erwerbsarbeit – Wege und Perspektiven 109
 1.  Neubewertung von Arbeit aus Sicht der Reproduktion des Lebens  109
 2.  Gesellschaftliche Kontrolle und Gestaltung patriarchaler Marktwirtschaft  113
 3.  Arbeitszeitverkürzung und Umverteilung von Arbeit zwischen  Deregulierung, Konservierung und alternativen Ansprüchen  118
 4.  “Ersatzarbeitsmärkte” – Brückenschlag, Abstellgleis oder Ausweg? 123
 5.  “Duale Wirtschaft” – neue Trends – Alternativen?  129
  6.  Nichtpatriarchale Ansätze 141
  7.  Selbstverwaltetes Wirtschaften – eine Chance für Arbeitsuchende? 146
 8.  Kommunen – eine nichtmarktwirtschaftliche, patriarchale Alternative? 149
 9.  Modelle bedarfsgerechter sozialer Grundsicherung 153
V. Ausblick 159
Kleines Glossar 163
Literatur  171